Naturschutzgebiete

Die überregionale Schutzwürdigkeit des Burgwalds begründet sich in einem zentralen Moorbereich und einem Netz aus vermoorten Tälchen, das einen weitgehend unzerschnittenen Waldkomplex durchzieht, und für das die Region auch aus europäischer Sicht eine besondere Verantwortung besitzt. Die Entstehung der verschiedenen Moortypen ist bei einer Niederschlagssumme von nur 500-600 mm/Jahr als aussergewöhnlich hervorzuheben.

Der Wald selbst ist durch jahrhundertelange Bewirtschaftung entstanden, weist aber in einigen Bereichen, die mit älteren Buchen bestockt sind und als Naturwaldzellen heute näher erforscht werden, auch naturnähere Ausbildungen auf. Ergänzt werden diese Naturwaldzellen durch kleinflächigere Altholzinseln, in denen Bäume älter als ihre Nachbarn werden dürfen.

Das Mosaik aus vermoorten Tälchen und zentralem Waldbereich umgeben grünlandreiche Auen verschiedener Fließgewässersysteme, deren Quellen mit Ausnahme von Wetschaft und Rotem Wasser in den Wäldern der angrenzenden Naturräume liegen. Obwohl diese Gewässer in der Vergangenheit z.T. durch menschliche Tätigkeiten stark verändert wurden, sind einige Abschnitte heute noch Lebensraum seltener und bedrohter Arten.

Der besonderen Schutzwürdigkeit des Burgwalds wird durch die Einrichtung verschiedener Schutzgebiete Rechnung getragen. Bereits Mitte der 1980er Jahre wurden die vermoorten Talzüge und der zentrale Moorkomplex im Rahmen des ‚Pilotprojekts Burgwald’ als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Umgeben wurden diese besonders schutzwürdigen Bereiche mit einem Landschaftsschutzgebiet als Pufferzone.

Mit Aufnahme der Naturschutzgebiete und der beiden Naturwaldreservate in das europäische Schutzgebietsnetz NATURA 2000 sowie der Einrichtung des EU-Vogelschutzgebietes für den zentralen Waldbereich wurde die besondere Bedeutung des Burgwalds für das europäische Naturerbe hervorgehoben. Ergänzt wird das Schutzgebietsnetz NATURA 2000 im Burgwald durch Wetschaft und Wohra sowie einige Teilbereiche der Wohraaue als Lebensraum für gefährdete Fische, Schmetterlinge und Heuschrecken. Und auch aus bundesweiter Sicht ist die Landschaft des Burgwalds insgesamt als besonders schutzwürdig eingestuft.

Die Aufnahme von Landschaftsausschnitten in das Schutzgebietsnetz NATURA 2000 verdeutlicht die Verantwortung Deutschlands - und damit auch von uns vor Ort - für den Erhalt der Lebensräume und Arten im Burgwald noch einmal in besonderer Weise. Insgesamt sind im Burgwald etwa 15.500 ha als Naturschutz- oder NATURA 2000-Gebiet gesichert - etwa die Hälfte der gesamten Naturraumfläche.

Nemphetal bei Bottendorf

Das Nemphetal bei Bottendorf liegt in der Gemeinde Burgwald (Landkreis Waldeck-Frankenberg) und hat eine Größe von ca. 45 ha. Das naturnahe Waldwiesental beherbergt eine hohe Zahl an seltenen Tier- und Pflanzenarten, die durch eine Freihaltung des Tales und den Aufbau eines standortgerechten bachbegleitenden Gehölzsaumes geschützt werden sollen. Zu diesen Besonderheiten zählt das Vorkommen einer großen Population des Bachneunauges sowie eines Verlandungskomplexes aus dystrophen Stillgewässern mit Schwingerasenmooren, die für Hessen aufgrund des Vorkommens stark gefährdeter Pflanzengesellschaften hoch schützenswert sind. Pflanzengesellschaften nährstoffarmer Stillgewässer sowie das gefährdete Arteninventar der Niedermoore tragen darüber hinaus zum Schutzgrund bei.

Diebskeller Landgrafenborn

Das Schutzgebiet besteht aus schmalen Talgrundverbindungen zwischen bewaldeten Höhen, in dem sich einer der wertvollsten Rückzugsbereiche für eine Anzahl regional und überregional seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten der Zwischenmoore eingestellt haben. Der Zwischenmoorkomplex besteht aus Moorheide, offenem Zwischenmoor und einem Moorwald in enger Verzahnung mit den angrenzenden Buchenwäldern. Als besondere Pflanzenarten sind zu nennen: Glockenheide, Rundblättriger sonnentau, Scheiden-Wollgras, Wald-Läusekraut sowie zahlreiche Moose und mehrere Bärlapparten. Die Waldschnepfe hat in diesem Schutzgebiet ihr Vorkommen, ebenso wie die Arktische Smaragdlibelle. Ziel des Schutzes ist der Erhalt und die Entwicklung der anmoorigen feuchten Talgründe mit den Übergangs- und Schwingrasenmoorbereichen sowie die Beseitigung von Verbuschung und Nadelholzanflug.

Christenberg

Das Schutzgebiet befindet sich am Nordabhang des Christenberges, an dem sich in einem feucht-kühlen Lokalklima ein Mosaik aus unterschiedlichen Laubwaldgesellschaften mit z.T. besonderer ökologischer Bedeutung entwickelt hat (z.B. Hainsimsen-Buchenwald, Schlucht- und Hangmischwälder mit Linde, Erlen- und Eschenwälder an Fließgewässern). Eingestreut sind Übergangs- und Schwingrasenmoore mit Braunseggen und Torfmoosen, kleine Teiche (z.B. der Spiegelteich mit dem Vorkommen von Alpen-Laichkraut und zahlreichen Amphibienarten) sowie Trockenheiden. Die schutzwürdigen Laubwaldgesellschaften beherbergen eine Vielzahl an bedrohten Arten, die besonders aus vegetationskundlicher und floristischen Gründen hochgradig schützenswert sind. Darunter so seltene Pflanzenarten wie den Sprossenden Bärlapp, Zeillers-Flachbärlapp, Rundblättriger Sonnentau, Graue Segge und Pyramiden-Günsel. Die Wälder sind aber auch Lebensraum von seltenen Vogelarten wie z.B. der Hohltaube, die in Schwarzspechthöhlen brütet, Grün- und Grauspecht, Raufußkauz, Grauschnäpper und Erlenzeisig.

Christenberger Talgrund

Südlich des Christenberges sind in den verzweigten Tälern verschiedene mulden- und wannenförmige Geländestrukturen ausgebildet, in dene sich Kaltluftseen entwickeln. Im Zusammenspiel mit quelligen Grundwasseraustritten haben sich in dem Schutzgebiet Gesellschaften der Zwischen- und Flachmoore, seltene Waldkiefer-Moorwälder und brachgefallenen Feuchtwiesen ausgebildet. In diesen stark gefährdeten Lebensgemeinschaften der Moore sind zahlreiche spezialisierte, regional seltene Tier- und Pflanzenarten beheimatet, wie z.B. das seltene Kamm-Torfmoos oder der vom Aussterben bedrohte Mittlere Sonnentau. Am Rande der Moore wächst das gefährdete Schmalblättrige Wollgras, entlang von Wegen der seltene Pyramiden-Günsel. Neben diesen Schätzen der Pfanzenwelt, sind es die Torf-Mosaikjungfer, die Zweigestreifte Quelljungfer und die Aktische Smaragdlibelle, welche den besonderen Wert des Schutzgebietes ausmachen.

Franzosenwiesen/Rotes Wasser

Im Zentrum des Burgwalds liegt das sicher auch überregional bedeutendste Schutzgebiet des Naturraums. Aufgrund der besonderen klimatischen Situation (Kaltluftsee) haben sich hier trotz relativ niedriger Jahresniederschlage von etwa 600 mm hochgradig schützenswerte Moorgesellschaften entwickelt. In einem besonderen Biotopmosaik, das sowohl die Franzosenwiesen als auch das Rote Wasser einschließt, kommt mit einem hessenweit einmaligen Standort der Langblättrige Sonnentau vor. Auf den nährstoffarmen Teichen besiedeln seltene Torfmoose und Gräser die Schwingrasen. In den trockeneren Randbereichen finden sich wertvolle Kiefern- und Birken-Moorwälder. Kleinflächig findet man auf trockenen Standorten auch Besenheidebestände. Das Biotopmosaik bietet auch vielen verschiedenen Tierarten Lebensraum: So kommen 22 Liebellenarten, darunter die stark gefährdete Große Moosjunger, zahlreiche Amphibienarten, wie Fadenmolch und Geburtshelferkröte, im Roten Wasser auch europaweit geschützte Fischarten wie Bachneunauge und Groppe vor. Der Schwarzstorch nutzt die Teiche zum Nahrungserwerb.

Krämergsgrund/Konventswiesen

Krämersgrund und Konventswiesen liegen im Randbereich des Burgwalds östlich von Mellnau. Das Schutzgebiet weist gegenüber den übrigen vermoorten Talzüges des Burgwalds eine Besonderheit auf: ein intakter Schwingrasen, der aus seltenen Seggen, Torfmoosen, Wollgras und der Schlangenwurz besteht. In dem angrenzenden Birken-Moorwald wachsen zahlreiche seltene Torfmoose, der Siebenstern und der Kammfarn, der nur noch ein weiteres Vorkommen in Hessen hat. Der Biotopkomplex des Schutzgebietes wird ergänzt durch magere Wiesen und kleinräumig strukturierte Eichen-Hainbuchenwälder mit wertvollen Altholzbeständen. Als wertgebende Pflanzenarten sind zu nennen: Kammfarn, Fieberklee, Schnabel-Segge, Schlangenwurz, Breitblättriges Knabenkraut, Wiesenschachtelhalm, Einbeere, Glänzendes Seidenmoos und der Siebenstern. Neben Arktischer Smaragdlibelle, Großer Binsenjungfer und der Zweigestreifeten Quelljungfer sind es die Gerandete Listspinne und einige seltene Schwebfliegenarten, welche den naturschutzfachlichen Wert des Gebietes ausmachen.

Langer Grund bei Schönstadt

Das NSG Langer Grund erstreckt sich nordwestlich von Cölbe-Schönstadt beidseitig des Bachs Schwarzes Wasser. Das naturnahe Bachtal ist geprägt von mosaikartig verteilten, ökologisch besonders wertvollen Lebensräumen: Flach- und Zwischenmoore mit zahlreichen seltenen Torfmoosen, Erlen-Sumpfwälder, Kleinseggen- und Waldbinsensümpfe, Feucht- und Frischwiesen. An den trockeneren Talrändern kommen kleinflächig trockene Heidegesellschaften vor. Von besonderer Bedeutung für das Gebiet sind mehrere kaskadenartig angstaute, nährstoffarme und saure Teiche. An deren Ufern gedeihen die seltene Schnabel-Segge, der Verkannte Wasserschlauch und die Rasen-Binse. Die Teiche und der Bach sind Lebensraum einer reichen Libellenfauna: Torf-Mosaikjungfer, Kleine Moosjungfer, Arktische Smaragdlibelle, Zweigestreifte Quelljungfer.

Nebeler Hintersprung

Das Naturschutzgebiet Nebeler Hintersprung umfasst einen schmalen Talzug im zentralen Burgwald östlich des Christenberges. Übergangsmoore, kleine Wasserflächen sowie ausgedehnte Torfmoosrasen wechseln sich mosaikartig ab. Hier gedeihen Glockenheide, ein atlantisches Faunenelement, der Rundblättrige Sonnentau und zahlreiche seltene Moose. Durch Rodung von Fichten im Talgrund und Verschluss eines zentralen Entwässerungsgrabens bereits in den 1980er Jahren konnte eine Wiedervernässung eingeleitet werden, die zur Ausbreitung der Torfmoosflächen bis heute führte. Neben der Glockenheide sind Rippenfarn, Sprossender und Keulen-Bärlapp, Rundblättriger Sonnentau, Schmalblättriges Wollgras, Rasen- und Sparrige Binse, sowie Pyramiden-Günsel wertgebende Pflanzenarten.

Merzhäuser Teiche

Die Merzhäuser Teiche sind ehemals von den Deutsch-Ordensleuten angelegt worden und weisen heute eine naturnahe und strukturreiche Ufervegetation auf. Zwischen den Teichen stockt ein wasserüberstauter Erlenbruchwald. Feucht- und Frischwiesen sowie Maggerrasenflächen, die mit Schafen beweidet werden, betten die Teiche in die Landschaft ein. An den Teichen finden zahlreiche, teils gefährdete Amphibienarten, wie z.B. Berg-, Teich- und Kammmolch geeignete Laichplätze, ebenso Wasserinsekten und Libellen. Die Teiche sind auch Brut- und Nahrungsgebiet des Zwergtauchers.

Sandsteinbruch am Hollenberg

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